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PPPD – CHRONISCHER SCHWINDEL

Persistierender postural-perzeptiver Schwindel (PPPD) ist die häufigste Ursache für chronischen (lang anhaltenden) Schwindel. Es ist eine häufige, aber oft wenig verstandene Form von Schwindel. Viele Betroffene erleben eine lange Phase der Unsicherheit, ohne klare Diagnose – und die Beschwerden werden mit der Zeit eher stärker.

Wissenswertes

Bei manchen Menschen beginnt ein persistierender postural-perzeptiver Schwindel (PPPD) nach einem konkreten Ereignis. Das kann zum Beispiel ein starker Schwindelanfall, eine Erkrankung des Gleichgewichtsorgans, eine Migräne oder auch eine Phase hoher psychischer Belastung gewesen sein.

Seit diesem Zeitpunkt fühlt sich das Gleichgewicht oft nicht mehr „normal“ an. Viele Betroffene berichten von einem anhaltenden Gefühl der Unsicherheit, Benommenheit oder Instabilität im Alltag.

Besonders belastend ist für viele, dass trotz zahlreicher Untersuchungen keine eindeutige körperliche Ursache gefunden wird.
 

Ein zentraler und beruhigender Punkt

Wenn Sie gründlich untersucht wurden – zum Beispiel durch:

  • HNO-ärztliche Diagnostik

  • neurologische Untersuchungen

  • Gleichgewichtstests

  • bildgebende Verfahren wie ein MRT

und dabei keine Auffälligkeiten festgestellt wurden, dann ist das ein sehr wichtiger Befund.

Das bedeutet:

  • Es liegt keine gefährliche Erkrankung vor

  • Es wurde nichts übersehen

  • Ihr Gleichgewichtsorgan und Ihr Gehirn sind strukturell gesund
     

Gleichzeitig bedeutet es nicht, dass Ihre Beschwerden „nicht real“ sind.
 

Was bei PPPD im Körper passiert

Beim PPPD ist nicht das Gleichgewichtsorgan selbst geschädigt. Stattdessen liegt eine Störung in der Verarbeitung von Gleichgewichtsinformationen im Gehirn vor.

Nach dem ursprünglichen Auslöser bleibt das Gehirn in einer Art Alarmzustand. Es reagiert überempfindlich auf:

  • Bewegungen

  • visuelle Reize (z. B. Supermärkte, Menschenmengen)

  • Körpersignale

Typische Beschwerden sind:

  • Schwankgefühl oder Unsicherheit

  • Benommenheit

  • das Gefühl, nicht stabil zu stehen oder zu gehen

  • Verstärkung der Symptome in bestimmten Situationen

     

Diese Symptome sind echt und körperlich spürbar. Sie entstehen durch eine Fehlregulation im Nervensystem – nicht durch Einbildung.
 

Warum sich ein Teufelskreis entwickelt

Viele Betroffene machen sich verständlicherweise Sorgen, zum Beispiel:

  • „Wurde vielleicht doch etwas übersehen?“

  • „Warum wird es nicht besser?“
     

Diese Unsicherheit führt dazu, dass die Aufmerksamkeit stark auf den eigenen Körper gerichtet wird. Es entsteht ein Kreislauf:

  • Schwindel tritt auf

  • Anspannung und Angst nehmen zu

  • die Wahrnehmung wird sensibler und man hört noch mehr in sich hinein

  • die Symptome verstärken sich weiter
     

Häufig kommt es zusätzlich zu Vermeidungsverhalten, wodurch sich das Problem langfristig verstärken kann.

Die Rolle der Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Behandlung.

Dabei geht es nicht darum, dass Ihre Beschwerden „psychisch eingebildet“ sind. Vielmehr hilft die Therapie dabei, die Reaktionen des Gehirns auf die Symptome zu verändern.

Sie lernen unter anderem:

  • die Beschwerden richtig einzuordnen (nicht gefährlich)

  • Angst und Anspannung zu reduzieren

  • den Fokus weniger stark auf den Schwindel zu richten

  • belastende Situationen schrittweise wieder aufzusuchen

  • Vermeidungsverhalten abzubauen

Ziel ist es, den Teufelskreis zu durchbrechen und dem Gehirn zu helfen, wieder in einen normalen Zustand zurückzufinden.
 

Die Bedeutung von Medikamenten

Gerade bei ausgeprägter Anspannung, Angst oder dauerhafter Überforderung des Nervensystems können Medikamente eine sehr wichtige Unterstützung sein.

Häufig werden sogenannte Antidepressiva eingesetzt (z. B. aus der Gruppe der SSRI oder SNRI).

Dabei ist wichtig zu wissen:

  • Diese Medikamente werden nicht nur bei Depressionen eingesetzt

  • Sie wirken regulierend auf das Nervensystem

  • Sie helfen, die Überempfindlichkeit des Gehirns zu reduzieren
     

Konkret können sie dazu beitragen:

  • innere Unruhe und Daueranspannung zu senken

  • Angstreaktionen zu verringern

  • die Reizverarbeitung zu stabilisieren

Für viele Betroffene ist dies eine entscheidende Grundlage, damit das Gehirn überhaupt wieder lernen und sich normalisieren kann.

Weitere wichtige Bausteine

Zusätzlich können folgende Maßnahmen sinnvoll sein:

  • vestibuläre Rehabilitation (gezielte Gleichgewichtsübungen)

  • regelmäßige Bewegung im Alltag

  • bewusste Konfrontation statt Vermeidung

  • Entspannungsverfahren zur Reduktion der Grundanspannung

Alle diese Ansätze verfolgen ein gemeinsames Ziel:


Ihr Gehirn soll wieder lernen, dass Bewegung und Umweltreize sicher sind.

Ausblick

Auch wenn sich PPPD sehr belastend und beunruhigend anfühlen kann, ist es wichtig zu wissen:

  • Die Erkrankung ist bekannt und gut beschrieben

  • Die Symptome sind erklärbar

  • Es liegt keine gefährliche Schädigung vor
     

Eine schnelle Lösung gibt es in der Regel nicht. Mit der richtigen Behandlung, ausreichend Zeit und einem guten Verständnis für die Zusammenhänge ist jedoch in vielen Fällen eine deutliche Besserung bis hin zur Heilung möglich.

Wichtig ist, dass Sie verstehen, was in Ihrem Körper passiert – und dass Sie Ihrem Nervensystem die Möglichkeit geben, sich Schritt für Schritt wieder zu stabilisieren.

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